Dirk Oehlschläger fotografiert Flugzeug

Interview mit Flugzeug-Spotter Dirk Oehlschläger

Wir trafen den leidenschaftlichen Flugzeug-Spotter Dirk Oehlschläger am Airport Hannover, um ihn beim Spotten zu begleiten und erfuhren u. a., wie er überhaupt zum Spotter geworden ist und wie er es als einer der wenigen geschafft hat, die Air Force One beim Staatsbesuch von Barack Obama vor die Linse zu bekommen. So viel sei verraten: Es war ein sehr aufregender und interessanter Tag.

Dirk, wann & wodurch bist du zum Flugzeugspotting gekommen? Ist es ein Hobby oder eine Beruf(ung)?

Von klein auf haben mich Flugzeuge schon immer interessiert, daher bin ich gern an Flughäfen unterwegs. An bestimmten Stellen standen immer die Planespotter, die ihre Aufnahmen machten. Man konnte sich dort immer gut über die Fliegerei unterhalten und vor knapp 3 Jahren kaufte ich mir dann auch eine Digitalkamera, um bessere Fotos als die mit dem Smartphone zu machen. Daraus ist dann ein richtiges Hobby geworden.

Wie sieht deine Planung für das nächste Shooting aus? Welche Vorbereitungen tätigst du zum Spotten & woher nimmst du deine nötigen Informationen?

Um sich auf ein Spotting vorzubereiten, muss zuerst eine Location ausgewählt werden, die schnellste Location ist immer der Hannover Airport. Man informiert sich über Wetter, offizielle und inoffizielle Flugpläne, sind Sonderlackierungen geplant/unterwegs, Anflugrichtungen & Spottingplätze.
In manchen Facebook Gruppen gibt es Infos zu besonderen Fliegern. Flightradar24 ist für die Spotter das wichtigste Tool, da dort alle Daten ablesbar sind. Selbstverständlich muss auch vorher die Ausrüstung gecheckt werden: Linsen sauber, Akku geladen/Ersatzakku, Speicherkarten, Trittleiter (um über den Zaun shooten zu können…).

Welche Kamera/Ausrüstung braucht man deiner Meinung nach zum Spotten? Zu welcher Fraktion gehörst du – Nikon oder Canon?

Flugzeug Spotter am HAJ Airport

Zum Spotten benötigt man eine Digitalkamera, es sind verschiedene Modelle auf dem Markt. Spiegelreflex, Spiegellose und es ist mit allen Kameras möglich. Wichtig ist, dass man mit Standard Brennweiten von 70-300 mm arbeiten sollte. Eine höhere Brennweite von 400 oder gar 600 mm eignen sich teils noch besser, es kommt aber auch immer darauf an, welche Perspektive man ablichten möchte. Meine 1. Kamera war die Nikon D5200, womit ich sehr zufrieden war. Mittlerweile bin ich im Vollformat mit der Nikon D750 angekommen. Viele Spotter verwenden allerdings Canon, da dort die Auswahl der Objektive größer sein soll. Ich verwende zum Spotten meist Tamron Objektive, die etwas günstiger sind, aber trotzdem eine sehr hohe Qualität haben. Diese gibt es für Nikon/Canon/Sony/Olympus/Pentax.

Was sind für dich die perfekten Fotos, auf was arbeitest du hin? Was motiviert dich?

Das perfekte Foto ist, wenn ich den Flieger im guten Licht scharf ablichten kann. Mich motiviert es immer wieder, die Flieger in verschiedensten Positionen zu fotografieren (Anflug, Landung, Taxiway, Start, Details etc.) Außerdem motiviert natürlich TUI fly mit den Fotowettbewerben #TUIflyFanFoto und #TUIflySpotterSunday auf Facebook.

In Deutschland sind  München, Düsseldorf, Berlin-Tegel, Frankfurt sehr beliebte Ziele für Planespotter. Hier trifft man neben vielen deutschen Spottern auch Flugzeugfotografen aus der ganzen Welt. Hast du einen Lieblingsspot? Welches ist dein außergewöhnlichster Ort, an dem du je gespottet hast?

München ist recht weit weg, und ich bin einmal dorthin geflogen. Es gibt dort 2 Spotter-Hügel, von denen gut gespottet werden kann, allerdings sehr viel Lufthansa. Nach Düsseldorf haben wir schon mehrere Spottertouren mit dem günstigen Wochenendticket der Bahn gemacht. In der Gruppe macht es mehr Spaß als allein zu spotten. Düsseldorf hat 2 parallele Bahnen und eine super Terrasse, die sehr gut zum Spotten geeignet ist. In Berlin war ich zum Spotten selbst noch nicht, der BER wird ja auch nicht fertig… Frankfurt ist immer großes Kino durch die vielen Langstrecken-Jets. Es gibt viele Spotter-Points, und man trifft auch auf internationales Spotter Publikum. Meine Lieblingsorte sind Amsterdam und London, da dort auch die meisten Sonderlacke vertreten sind. Der außergewöhnlichste Airport ist Singapore, wo man quasi 24 Std. aus dem Bett des Airport Hotels spotten kann. Hongkong und Bangkok sind auch coole Locations, die ich schon besucht habe.

TUI fly Flugzeug am HAJ Airport

Gibt es unter Spottern einen gewissen „Konkurrenzkampf“? Tauscht du dich regelmäßig mit anderen Spottern aus, z. B. in Foren? Gibt es andere Spotter, deren Arbeit du bewunderst?

Es gibt Facebook Gruppen, in denen die Spotter ihre Bilder hochladen, die dann geliked werden oder auch ein Foto mal das Titelfoto werden kann. Auf dem Spotter-Hügel tauscht man sich gern aus und zeigt seine besonderen Lacke auf dem Smartphone. Richtigen Konkurrenzkampf gibt es eigentlich nicht – jeder macht sein Foto so, wie er es am besten kann. Manche sind dabei etwas erfolgreicher und können ihr Bild im Netz z. B. bei FR24, Jetphotos, Airliners, Planespotter oder TUI fly veröffentlichen.

Gibt es am Flugzeugspotten etwas, was dich stört oder nervt?

Was beim Spotten nervt ist der Bahnwechsel wie am Flughafen Hannover. Man weiß oft nicht, wo der Flieger landet/startet und wenn man es dann kurzfristig weiß, ist es für einen Spottwechsel zu spät. Es gibt viele Airports, die Spotter freundlicher ausgerichtet sind.

Du fotografierst gerne TUI fly Flieger, was fasziniert dich an unseren Flugzeugen?

Bei den TUI fly Fliegern faszinieren mich die unterschiedlichen Lackierungen. Es macht Spaß die Flotte immer unterschiedlich zu sehen. Es ist schon ein Highlight gegenüber anderen deutschen Airlines, zumal die TUI fly dazu auch noch in Hannover ansässig ist.

Was war dein unvergesslichstes Spotter-Erlebnis?

Das unvergesslichste war die Air Force One mit Barack Obama in Hannover, wo sich der Flughafen allerdings den Spottern gegenüber extrem angestellt hat: Alles war gesperrt. Ich habe mir dann extra ein Oneway-Ticket nach Zürich für 79 € gekauft, um in den Sicherheitsbereich kommen und von dort aus spotten zu können. Hat dann auch trotz schlechten Wetters noch geklappt. Den Flug habe ich natürlich nicht angetreten…

Ein weiteres Highlight war die Lufthansa Fanhansa Boeing 737 mit dem eigenen Namen darauf zu spotten. Diese 737 hatte den Sonderlack mit den Namen von Fußballfans und ich hatte das Glück dafür ausgewählt zu werden.

Dirk Oehlschläger beim Fotografieren

In einigen Ländern wird Spotten als Spionage angesehen, bist du deshalb schon mal in Schwierigkeiten gekommen?

In Thailand ist das Spotten offiziell nicht erlaubt, es gibt aber ein Forum mit zahlreichen Bildern, also spottet man. Es kommt dann lediglich vor, dass die Flughafenpolizei dich freundlich wegschickt. Beim Spotten kommt man schon an Grenzen, aber die Kontrollbehörden sind meist umgänglich und nett.

Ich habe gelesen, dass es in England ein beliebtes und sehr verbreitetes Hobby gibt, Registrierungen der Flugzeuge zu notieren, ohne diese zu fotografieren. Ist es dein Ziel, möglichst viele Flugzeuge oder Sonderlackierungen zu spotten?

Die Engländer spotten und fotografieren Busse. Es ist immer das Ziel möglichst alle Registrierungen und Sonderlacke zu bekommen, wobei die Sonderlacke hier eine höhere Wertung haben. Ich habe aufgehört nach Registrierung zu spotten: Ein Lufthansa A320 sieht immer gleich aus, nur ein Buchstabe verändert sich.
Es ist auch kaum möglich alle Registrierungen der ganzen Welt zu bekommen, dafür sind es einfach zu viele.

Welche Lieblingsmotive hast du noch außer Flugzeuge?

Ich habe mich beim Spotten eigentlich nur noch auf Sonderlacke und TUI fly spezialisiert, andere Flieger spotte ich nur noch gelegentlich. Im letzten Jahr habe ich mich fotografisch durch viel Eigenarbeit und auch Workshops recht gut weiterentwickelt und fotografiere sehr gern Landschaften, Nachtaufnahmen, Architektur und Portrait. Ich bin der Meinung, dass man alle Gebiete der Fotografie beherrschen sollte, was sich auch schon ein wenig bezahlt gemacht hat.

Wo veröffentlichst du deine Bilder? (Flickr, Twitter, Facebook & Co.)?

Ich veröffentliche auf Flickr, Facebook (u. a. bei TUI fly), Instagram, Stern/View Magazin, Nikon Magazin N-Photo, teilweise Twitter, Jetphotos, Airplane-pictures. Im N-Photo Magazin habe ich 2 x die Printausgabe erreicht. In der regionalen Neuen Presse wurde z. B. ein Air Force one Foto von mir in einem Interview über Planespotting gedruckt.

 

Vielen Dank, Dirk, für diese interessanten Einblicke in deine Leidenschaft Flugzeugspotten! Wir erfreuen uns immer wieder an deinen tollen Aufnahmen, die wir regelmäßig unter dem Hashtag #TUIflySpotterSunday auf unserer Facebook & Twitter-Seite mit unseren Fans teilen.

Hier findest Du einen Auszug aus Dirks Bildern:

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5 Kommentare
  1. Petra
    Petra sagte:

    Hallo ,
    Ich würde Kontakt zu Dirk aufnehmen. Ich habe Dias und Fotos aus dem 1980-90 er aus der Spotter Szene geerbt von meinem Vater. Vielleicht besteht da irgendwie Interesse dran da zu schade zum wegschmeißen…
    Mit freundlichen Grüßen
    Petra

    Antworten
    • Nadine
      Nadine sagte:

      Hallo Petra, vielen Dank für deine Nachricht! Wir geben die Info gern an Dirk weiter und melden uns wieder bei dir. Viele Grüße, Nadine – TUI fly Blog Team

      Antworten
      • Nadine
        Nadine sagte:

        Hallo Petra, wir haben uns mit Dirk kurzgeschlossen – er bedankt sich für dein nettes Angebot. Leider sind die Bilder/Dias für ihn nicht so verwertbar, der er mehr zukunftsorientiert arbeitet und ausschließlich eigene Bilder verwendet. Kannst du denn sagen, ob unter den Fotos auch Bilder unserer Maschinen sind (damals unter der Marke Hapag Lloyd Flug), evtl. könnten diese Aufnahmen für uns interessant sein. Viele Grüße, Nadine – TUI fly Blog Team

        Antworten

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