TUI fly Boeing 737 nach dem Pushback am frühen Morgen

Flugzeug Fotografie

Flugzeuge haben durch ihre Größe und die schnelle Art des Reisens eine magische Anziehungskraft auf uns. Wenn man sie nicht gerade am Himmel oder am Airport sieht, helfen uns oft auch Bilder, um unseren Phantasien freien Lauf zu lassen. Flugzeuge richtig zu fotografieren ist oft nicht leicht. Flugzeugfotografen, die sogenannten Planespotter, sowie auch Presseabteilungen der Airlines, Reiseveranstalter und Airports liefern uns täglich Bilder von Flugzeugen. Mit welcher Technik entstehen diese Bilder, welche Ausrüstung braucht man, das alles liest du in diesem Beitrag von Planespotter und Blogger Dirk Oehlschläger.

Womit fotografiere ich Flugzeuge?

Ein Foto von einem Flugzeug lässt sich heute bereits mit den einfachsten Geräten erstellen. Ein Smartphone hat heute jeder in der Tasche und die Kameras davon werden immer besser. Doch wie ist die Qualität des Fotos? Das Objekt ist ziemlich schnell und auch manchmal weit entfernt. Da kommen die Smartphones dann doch an ihre Grenzen und für die Aviation Fotografie brauchst du eine vernünftige Ausrüstung. Die Welt ist weitgehend digitalisiert, analoge Kameras mit Filmen wurden durch Digitalkameras abgelöst. Der Markt bietet uns zahlreiche Systeme und Marken, die hierfür geeignet sind. Mit einer Digitalkamera hast du die Möglichkeit, verschiedene Objektive zu verwenden. Für weit entfernte Objekte brauchst du z. B. eine lange Brennweite. Bleiben wir zunächst bei der Kamera: welche Kamera ist die richtige für mich, welches Format wähle ich? Die Kameras der großen Marken wie Nikon, Canon, Sony usw. haben natürlich auch ein breit gefächertes Zubehörsortiment, was mir bei der Erweiterung meiner Ausrüstung später hilft. Ich habe mich für die DSLR (Digitale Spiegelreflex) von Nikon entschieden und bin mit dem gesamten Programm sehr zufrieden. Angefangen habe ich mit den preiswerten Varianten wie der D5200 im DX-Kleinbild Format und einem Teleobjektiv 70-300 mm.

Über die Jahre wurden die Ansprüche größer und es mussten bessere Sensoren her. Dadurch bin mit der Nikon D750 auch in das Vollformat FX gewechselt. Der Sensor ist größer als bei der DX und bietet daher mehr Bildausschnitt. Mit 24,3 Megapixel und einem beeindruckenden ISO Bereich für schwaches Licht, wurde sie zu meiner Traumkamera. Meine Zweitkamera, die Nikon D500, der Nikon Star im DX Bereich, fiel nun der neuen spiegellosen Nikon Z6 zum Opfer, da ich mit dem Rauschverhalten bei schwachem Licht mit der D500 nicht zufrieden war. Die ersten Bilder der Z6 sind beeindruckend und es bleibt abzuwarten, wie sie vielleicht sogar noch die D750 schlägt.

Mein Tipp: Kameras sollte man nur als „Body“, also ohne Objektiv kaufen, da die Kit Objektive meist kleinere Brennweiten mit niedrigen Lichtstärken haben und oftmals nutzlos sind. Zum Jahreswechsel locken die Hersteller oft mit tollen Angeboten und Cashback Aktionen, also am besten noch etwas abwarten und dann zuschlagen, wenn ihr auf der Suche nach einer neuen Kamera seid.

Welche Objektive verwende ich?

Ich arbeite mit Tamron- und Nikkor-Objektiven, die aus dem Nikon Programm kommen. Tamron produziert ausschließlich Objektive für die gängigsten Kamerahersteller. Die Qualität der Tamron Linsen ist in den letzten Jahren sehr gestiegen und schlägt in Produktvergleichen oftmals sogar die eigenen Objektive der Hersteller, zudem sind sie auch noch um vieles günstiger. Für die Flugzeugfotografie verwende ich meistens Teleobjektive, ein Tamron 70-200 mm mit einer Lichtstärke von f/2,8, das auch bei schwachem Licht sehr gute Ergebnisse liefert und ein Tamron 150-600 mm, also eine sehr große Brennweite, um möglichst nah an das Flugzeug heranzukommen. Für Aufnahmen im Inneren des Flugzeuges arbeite ich mit Nikkor Weitwinkelobjektiven 18-35 mm sowie 24-70 mm und den lichtstarken Festbrennweiten 35 mm f/1,8 und 50 mm f/1,8. Wenn die Ausrüstung mal sehr schmal sein muss, nehme ich ein Allround Zoom 28-300 mm von Tamron.  Alle Objektive arbeiten exzellent und machen brillante Bilder.

Allrounder Objektiv Flugzeugfotografie

Allrounder Tamron 28-300 MM

Mein Tipp: Für den Anfänger reicht ein Standard Telezoom 70-300 mm zunächst völlig aus. Wenn die Kamera keinen Bildstabilisator hat, sollte das Objektiv unbedingt einen haben! Das Objektiv ist dann zwar ein wenig teurer, aber es zahlt sich in der Schärfe aus.

Wie nehme ich die Bilder auf?

Bevor ich ein Foto mache, muss ich mir die Kamera erst richtig einstellen. Wie möchte ich die Bilder aufnehmen? In JPEG, die Kamera bearbeitet das Bild dann schon ein wenig, oder im RAW Format, da muss ich zwar später etwas mehr tun, hier habe ich aber auch wesentlich mehr Möglichkeiten.

Zum Anfang arbeitet man in der Voll-oder Programmautomatik, da arbeitet die Kamera komplett allein oder zum größten Teil selbständig, d. h. du kannst dich voll auf das Fotografieren konzentrieren. Halte die Kamera gerade und schalte hierzu die Gitterlinien zur Hilfe im Display ein, umso weniger musst du hinterher nachbearbeiten. Bei bewegten Flugzeugen muss die Kamera mit dem Objekt mitgeschwenkt werden. Die Kamera hat 3 Modi im Autofokus: AF-S = Einzelfokus – festes Objekt, AF-C = kontinuierlich/nachführend – bewegende Objekte, AF-A = Automatik – die Kamera allein entscheidet anhand des Motivs. Diese Bezeichnungen sind für Nikon, bei anderen Marken heißen sie ggfs. etwas anders.

Ein weiterer Punkt ist der ISO Wert, der eingestellt werden muss. Die ISO kann manuell, automatisch oder auch auf Vorgabe begrenzt eingestellt werden. Bei normalem Tageslicht, Sonne/leicht bewölkter Himmel, nimmst du ISO 100. Mit diesem Wert sollte man immer versuchen zu fotografieren, da hier das geringste Bildrauschen entsteht. Wird das Licht schlechter und die Kamera löst langsamer aus, wird der ISO Wert leicht erhöht, man sollte aber deutlich unter 1000 bleiben, da das Bild dann rauscht und dadurch die Schärfe abnimmt. Wenn du mit diesen Parametern erstmal klargekommen bist, kannst du dich weiteren Einstellungen der Kamera widmen.

Nach den Vollautomatiken hat die Kamera auch Halbautomatiken. Im Modus S stelle ich nur die Belichtungszeit – den Speed – ein, den Rest macht die Kamera allein. Für ein bewegendes Flugzeug sollte der Speed möglichst hoch sein, so zwischen 800 und 2000. Im Modus A gebe ich die Blende vor, die möglichst zwischen 8 und 11 liegen sollte. Für die ganz Fortgeschrittenen gibt es den manuellen Modus M, hier stellt man alles nach dem Belichtungsdreieck selbst ein (Blende/Zeit/ISO). Weiterhin können an der Kamera die Fokusmessfelder eingestellt werden, ein einzelner Punkt, der genau auf ein Objekt zielt oder auch mehrere Messfelder, wo die Kreuzsensoren anfangen zu arbeiten. Probiere für dich selbst aus, wie deine Kamera am besten arbeitet. Darüber hinaus kann auch noch die Belichtungskorrektur eingestellt werden: +1,2,3 / -1,2,3. Ist mir das Bild zu dunkel drücke ich +1, ist es zu hell -1.

Wichtig: Verstehen des Belichtunsdreiecks. Im Grunde wird an der Kamera an 3 Rädern gedreht:

  • Blende: Öffnung des Objektivs, kleine Blende = viel Licht
  • Zeit: hohe Zahl schnelle Auslösung, niedrig = langsam
  • ISO: Lichtempfindlichkeit des Sensors, hoch = rauschen

Unbedingt: Bedienungsanleitung der Kamera lesen und soviel wie möglich ausprobieren! Umso mehr du verstehst deine Kamera und desto besser sind deine Bilder.

Flugzeuge richtig bei der Landung fotografieren

Boeing 737 bei der Landung am Hannover Airport.

Fotografieren von Start und Landung

Das Flugzeug bewegt sich in hohen Geschwindigkeiten von rund um 250 km/h auf uns zu oder von uns weg. In der Kamera versuchst du je nach Lichtverhältnissen eine möglichst hohe Verschlusszeit einzustellen (800-2000), um die besten Ergebnisse in der Schärfe zu erzielen. Die Blende dazu sollte möglichst nicht unter 6,3 kommen, der ISO Wert sollte bei 100 sein. Der Autofokus wird auf AF-C (nachführend) und die Messfelder auf automatisch eingestellt.

TUI fly Boeing 737 steht bereit.

Boeing 737 auf Außenposition.

Aufnahmen von stehenden Flugzeugen

Hier stellst du die Kamera auf Blende 8-11 ein, nicht drunter oder drüber, denn sonst bekommst du eventuell eine Beugungsunschärfe. Die Verschlusszeit sollte aus der Hand fotografiert möglichst nicht unter 100 sein und der ISO Wert bleibt auch möglichst bei 100. Der Autofokus wird auf AF-S eingestellt und das Messfeld auf Einzelfeld.

Nachtaufnahmen

Für Nachtaufnahmen benötigst du ein festes Stativ. Als allererstes schaltest du den Bildstabilisator am Objektiv oder in der Kamera aus, sonst bewirkst du eine Unschärfe! Die Blende stellst du in der Blendenautomatik A auf 8 oder 11, wenn du Lichter mit einem Lichterstern haben möchtest. Den ISO Wert stellst du auf 100 und die Auslösung auf Selbstauslöser, damit das Bild nicht verwackelt beim Auslösen. Die Belichtungszeit kann je nach Licht am Airport zwischen 10 und 30 Sekunden betragen. Wenn in der Auslösezeit Fahrzeuge am Flugzeug vorbeifahren, erzeugen diese Lichtspuren. Bewegt sich das Flugzeug in der Nacht, kannst du mit den o. g. Einstellungen jedoch gar nichts anfangen.

Hier gilt: Stabilisator an, weil du die Kamera auf dem Stativ mit drehen musst. Du wechselst in den Programmautomatik-Modus oder – falls es Motivprogramme gibt – in den Sportmodus. Die ISO muss auf Automatik sein, sollte aber auf 6400 begrenzt werden, da sonst ein sehr hohes Rauschen entsteht. Der Autofokus wird auf AF-C und viele Messfelder gestellt.

Nachtaufnahme von einem bewegenden Objekt. TUI fly Flugzeug x3

Bewegendes Objekt ISO 6400 Aufnahme

Innenaufnahmen im Flugzeug

Für Aufnahmen im Flugzeug verwendest du ein Weitwinkelobjektiv mit möglichst hoher Lichtstärke f/2,8 oder weniger, da die Kabinenbeleuchtung nicht sehr hell ist. Hier lassen sich auch tolle Detailaufnahmen machen. Die Blende sollte nicht über 4 liegen und die ISO Automatik eingeschaltet sein. Vorsicht allerdings, wenn Menschen mit auf das Bild kommen! Nach der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) dürfen diese Bilder nur mit Erlaubnis von den betroffenen Personen veröffentlicht werden! Wenn das Objektiv sogar eine Lichtstärke von nur f/1,8 zulässt, kann man vieles im Hintergrund als Unschärfe (das sogenannte Bokeh) verschwinden lassen, und damit hätte man auch die DSGVO gelöst. Mit etwas Glück, kannst du nach der Landung beim Aussteigen vielleicht noch ein Bild vom Cockpit machen, wenn die Tür auf ist und der Kapitän es erlaubt.

Cockpit vom Flugzeug der TUI fly x3 Boeing 737

Cockpit der Boeing 737

XL Seat der Boeing 737 TUI fly

XL Seat mit Bokeh Effekt

Lichtverhältnisse

Das beste Licht hat man in den frühen Morgenstunden und am Abend, da es flach ist und nicht so „hart“. Hier erzielst du die besten Ergebnisse. Am Tag kann durch die Wärme am Boden ein Flimmern entstehen, die dir das Bild fast wertlos machen. Ich arbeite z. B. auch gern mit Gegenlicht, um spezielle Wirkungen zu erzielen. Ein satter Hintergrund verhilft dir auch oft zu einem guten Bild.

Flaches Licht beim fotografieren von Flugzeugen

Flaches Licht

Flugzeuge richtig fotografieren: Landung im Gegenlicht der Boeing 737 von TUI fly

Landung im Gegenlicht

 

Bildbearbeitung

Nach dem Fotografieren kommt noch ein Stück Arbeit auf dich zu, und zwar die Bildbearbeitung. Wenn du dein Bild schon sehr gut aufgenommen hast, ist es etwas einfacher. Ich fotografiere im RAW Format und habe daher die besten Voraussetzungen für die Bildbearbeitung. Das Bild ist roh und wurde nicht durch das Kameraprogramm automatisch optimiert. Für die Bearbeitung der Bilder verwende ich Lightroom am PC. Hier wird dann das Bild gerade gestellt und ausgerichtet, die Belichtung korrigiert, die Schärfe nachgestellt und die Farben angepasst.

Sensorreinigung der Kamera. Flugzeuge fotogriafieren

Sensorreinigung

Kamera Reinigung

Kamera und Objektive müssen auch regelmäßig gereinigt werden. Hierzu verwendest du einen Blasebalg und einen Lenspen/Linsenpinsel. Die Objektive werden gepinselt, stärkere Verschmutzungen mit einem Microfasertuch entfernt. Auf dem Sensor der Kamera bilden sich nach der Zeit Sensorflecken, die dann auch im Bild zu sehen sind (kleine dunkle Punkte). Umso häufiger ein Objektiv gewechselt wird, desto größer ist auch die Bildung der Flecken. ACHTUNG! Der Sensor ist sehr empfindlich! Zunächst versucht man diese mit einem Blasebalg von unten wegzupusten, geht das nicht muss, er professionell gereinigt werden, am besten durch einen Fachhändler.

Dann mal los…

Das Planespotting und die Aviation Fotografie hat ein sehr breites Spektrum. Es liegt an jedem selbst, was er daraus macht, es gibt viele Perspektiven, die in einem Bild festgehalten werden können. Bestimmte Momente muss man sehen, erahnen oder auch planen. Die Kamera ist nur so gut, wie du sie bedienst, lese dich  richtig in die Bedienungsanleitung ein und probiere vieles aus, beschäftigte dich mit deinem Equipment. Versuche dich auch in anderen Gebieten der Fotografie, das hilft und du lernst die Kamera noch besser kennen. Übrigens, deine TUI fly Bilder kannst du auf die TUIfly Facebook Seite mit dem Hashtag #TUIflySpotterSunday posten und mit etwas Glück wird dein Bild am Sonntag auf der TUI fly Seite repostet.

Auf meinem Instagram Account dirko321 kannst du meinen Bildern folgen und mich auch gern anschreiben. Vielen Dank fürs Lesen und immer gut Licht!

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